Tarifvertrag diakonie avr dd

  • Posted on: August 4, 2020
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Noch drastischer werden die Auswirkungen durch die Einführung einer neuen dritten Erfahrungsstufe ab Juli 2020. Es ist nachvollziehbar, dass die ARK eine strukturelle Schwäche der AVR damit ausmerzen will, um die Lohnbedingungen attraktiv für Fachkräfte mit längerer Beschäftigungszeit zu halten. Es ist auch begrüßenswert, Kolleg*innen mit viel Erfahrung und Treue zum Betrieb im Entgeltsystem strukturell ein höheres Einkommen zu ermöglichen. Das wäre jedoch für alle Entgeltgruppen angemessen, nicht ausschließlich für Fachkräfte. So wird die Lohnspreizung zwischen Hilfs- sowie Assistenzkräften und Fachkräften enorm verschärft. Dieser Beschluss ist dazu geeignet, die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen weiter zu beeinträchtigen, weil sie verpflichtet werden, dem Arbeitgeber noch mehr und unberechenbar zur Verfügung zu stehen. Die für die Regeneration erforderliche Disposition über die Freizeit wird unerträglich eingeschränkt. Die Arbeitgeberseite der ARK. DD behauptet, die Regelung führe zu mehr Dienstplansicherheit. Das ist fast schon zynisch, ist die Grundlage doch eine Dienstverpflichtung zu einer Rufbereitschaft, die dem Arbeitgeber ein neues Maß an Flexibilität ermöglicht. Im Rundschreiben der ARK. DD heißt es, dass die Zuschlagsregelung dazu dient, »durchschnittliche Kranken- und Urlaubsquoten und andere Abwesenheiten operativ disponieren zu können«. Die Formulierung zeigt, wie selbstverständlich die unzureichende Personalbesetzung für die Mitglieder der ARK geworden zu sein scheint.

Dass Beschäftigte auch einmal erkranken, dürfte jedem Arbeitgeber bekannt sein. Auch dass sie im Urlaub abwesend sind, ist nicht neu. Weder das eine noch das andere ist überraschend, sondern vielmehr eine Frage der (langfristigen!) Stellenplanung und Personalpolitik durch den Arbeitgeber. Es ist dreist, die Verantwortung dafür zwangsweise auf die Beschäftigten zu verlagern. Die diakonischen Arbeitgeber schaffen sich mit der neuen Vertretungsregelung ein flexibles Standardplanungsinstrument zur Abdeckung aller Dienste. Das kann für sie in der Summe finanziell günstiger sein, als neue Kolleginnen und Kollegen einzustellen. So verringert sich der Druck zu Neueinstellungen, der Mangel wird zementiert. Die Bundeskonferenz befürchtet, dass diese Regelung dazu führen wird, dass betroffene Beschäftigte diakonische Einrichtungen verlassen werden und fordert alle Mitarbeitervertretungen auf, solchen Vertretungsbereitschaften nicht zuzustimmen! Kirchen sind der zweitgrößte Arbeitgeber nach dem öffentlichen Dienst. Allein in der Diakonie, dem Wohlfahrtsdienst der evangelischen Kirche, arbeiten 525.000 Beschäftigte. Sie arbeiten etwa in der Altenpflege, der Kinder- und Jugendhilfe, der Krankenpflege oder der Behindertenhilfe.